2010: Zukunft Basisbildung

Tagung Zukunft Basisbildung 2010
[27. und 28. Mai 2010]

Eine Tagung des Netzwerks Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich. Expert/innen für Erwachsenenbildung und Kursteilnehmer/innen aus ganz Österreich diskutierten 2 Tage lang aktuelle Bildungstrends und mögliche Auswirkungen auf Angebote der Basisbildung und Alphabetisierung. Mag. Martin Netzer (BMUKK) eröffnete die Veranstaltung.
Die jährliche Tagung des Netzwerks Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich fand  am 27. und 28. Mai 2010 auf dem Grazer Schlossberg statt. Bildungsanbieter und Expert/innen, Vertreter/innen der Sozialpartner, des bm:ukk und Teilnehmer/innen an Kursen der Basisbildung präsentierten ihre Vorstellungen zur Zukunft der Basisbildung in Österreich. Mehr als 150 Expert/innen aus Österreich und dem deutschsprachigen Ausland nahmen an der Veranstaltung teil.

Peter Filzmaier betonte in seinem Auftaktreferat zwar, kein Experte für Basisbildung zu sein, vermochte mit seinem Beitrag jedoch einen wichtigen, auch für Basisbildung gültigen Aspekt hervorzuheben: Politische Bildung stellt eine wesentliche Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und Mitsprachemöglichkeit dar. Diese „Partizipationsfähigkeit“ ist eine der sozialen/personalen Kompetenzen, die laut Peter Schlögl so schwer zu beschreiben sind. Um das Verborgene („kalyptyn“), das Wesentliche in den Lernenden zu entfalten, brauche es jedoch im Kontext des Lebenslangen Lernens und des Instruments Nationaler Qualifikationsrahmen nicht nur die Beschreibung von Lernergebnissen hinsichtlich der zu erlangenden Kompetenzen, sondern auch verlässliche Feststellungsverfahren für diese. Im Vergleich zu den Bereichen Wissen und Fertigkeiten hinke man im Wesentlichen jedoch merklich nach.

Um Empowerment und wider die „Kolonialisierung des Geistes“ ging es auch im Vortrag von Werner Lenz, der einen weiten geographisch thematischen Bogen von den Aborigines in Australien bis Paolo Freire in Südamerika spannte.

Uwe H. Bittlingmayer legte dar, dass die Halbwertszeit von Wissen in einer proklamierten Wissensgesellschaft immer geringer werde, was ein stetiges Nachholen von Bildung erfordere. Dieser Umstand eröffne zwar ein breites Betätigungsfeld für Erwachsenenbildung, die Verantwortung für Weiterbildung jedoch auf Individuen abzuwälzen – diese Tendenz führe dazu, dass immer mehr Menschen ausgeschlossen würden. Die in Folge der „Herrschaft akademischen Wissens“ gespannten normativen Fallstricke zu hinterfragen und zu beseitigen sei wichtiger, als Basisbildung anzubieten, so seine provokante These; umso mehr, als laut einer empirischen Studie, durchgeführt von seiner Kollegin Diana Sahrai, ein Mangel an Basisbildung per se kein Problem für einige Idealtypen von Analphabeten darstelle.

Nicht in Frage gestellt wird die Notwendigkeit, sich weiterzubilden und Basiskompetenzen zu erweitern von Marion Döbert. Zu bemängeln sei jedoch der Umstand, dass das Rad der Alphabetisierung und Basisbildung seit über 30 Jahren regelmäßig neu erfunden würde; solide Dokumentation und Archivierung von Wissensbeständen, Projekten und Aktivitäten könnte Abhilfe schaffen. Frau Döbert legte klar, dass die Basisbildung aus dem Feld der Bildung stärker nach außen hinaus wirken und „konvergent“ angelegt werden müsse. Konvergenz ist zu verstehen als eine ressortübergreifende, systemische Sicht von Basisbildung, die Ökonomie und Arbeitswelt, Gesundheit, Familie und Erziehung als Schnittstellen und Handlungsfelder mit einschließen muss.

Podiumsdiskussionen und jeweils 4 Workshops an den beiden Tagen halfen, zukünftig für das Thema Basisbildung als wichtig antizipierte Themen und die in den Referaten aufgeworfenen Punkte weiter zu diskutieren. Eine Sammlung von Beiträgen zum aktuellen Stand der Basisbildung in Österreich mit dem Titel „Zwischenbilanz. Die Basisbildung in Österreich in Theorie und Praxis.“ wurde am Abend des ersten Tages von Otto Rath präsentiert.

Video-Rückblicke
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(Videos by UAR media design, Graz)

ZUKUNFTSWORKSHOPS – SZENARIEN und IDEEN
In den Zukunftsworkshops werden zukünftige Herausforderungen an die Basisbildung diskutiert und Ideen generiert. In kurzen Gesprächsrunden werfen die Tagungs-teilnehmerInnen aus unterschiedlichen Perspektiven Schlaglichter auf die jeweiligen Themen.

“Basisbildung im Kontext Arbeit”
Erfahrungen mit Basisbildungsmaßnahmen im Kontext „Beschäftigung“ werden präsentiert und im Workshop werden die zukünftigen Chancen dieser Angebote beleuchtet. Mag. Isabella Penz (Die Kärntner Volkshochschulen) Christina Wimmer, Bakk. Komm. (ÖGB Landesorganisation Oberösterreich)

“Labor Bildungsmarketing:Basisbildung”
Die „Branche“ Basisbildung und Alphabetisierung soll zukünftig durch Marketing-maßnahmen gestärkt werden. Ausgehend vom Modell eines Preises der Werbewirtschaft in der Steiermark wird ein Grobkonzept für einen österreichischen Award für vernetzte Basisbildung erstellt. Mag. Jörg Tinnacher (ZZYZX Communications) Mag. Otto Rath (ISOP GmbH)

“Netzwerke in der Basisbildung und Alphabetisierung”
Information wird zunehmend durch Vernetzung generiert. Auch auf organisationeller Ebene erlangen Netzwerke eine zunehmende Bedeutung. Der Workshop beleuchtet Chancen und Grenzen von Vernetzungen in der Basisbildung und erarbeitet Empfehlungen für zukünftige Synergien und Informationstransfer. Mag. Astrid Klopf-Kellerer (Die Wiener Volkshochschulen) Mag. Grete Dorner (Bildungsnetzwerk Steiermark)

“Basiskompetenzen in einer technologiereichen Umwelt”
Die zunehmende Digitalisierung stellt neue Ansprüche an die Basiskompetenzen der Menschen. Davon sind sowohl die Zielgruppe selbst als auch die TrainerInnen und OrganisatorInnen in der Basisbildung betroffen. Welche zukünftigen Herausforderungen daraus resultieren, wird in diesem Workshop diskutiert. Dipl.-Päd. Rosmarie Zarfl (ISOP GmbH) Dr. Lucas Paletta (Joanneum Research)

“Gebildetes Fremdgehen: Kooperationen und Partnerschaften mit Einrichtungen außerhalb der Erwachsenenbildung”
Praktische Beispiele von Kooperationen der Basisbildung über den Bildungsbereich hinaus, aber auch regionale Netzwerkskonzepte werden präsentiert. Die Ergebnisse der Skills Agents Reihe, einer Serie von Veranstaltungen, die sich dem Thema Basisbildung systemisch annähern, wird präsentiert und diskutiert. Mag.a Claudia Facciani-Rizzo Stephan Maurer (Regionalverband Pongau)

“Neue Zielgruppensegmente infolge demografischer Entwicklungen”
Angebote aus der Zielgruppenperspektive zu entwickeln, stellt eine neue Herausforderung an Anbieter der Basisbildung dar. Die demografische Dimension spielt dabei eine wesentliche Rolle: Beschäftigung, Alter, Migrationshintergrund, soziale Strukturierung. Der Workshop fokussiert in Hinblick auf zukünftige zielgruppenorientierte Entwicklungen Schlüsselbereiche. Dr. Peter Stoppacher (IFA – Institut für Arbeitsmarktforschung) Mag. Selma Hajdarevic-Kurtalic (Verein SOMM)

“Die Basisbildungstrainerin, der Basisbildungstrainer von morgen: kompetent und gut organisiert? “
TrainerInnen wissen am besten Bescheid, was sie brauchen, wo ihre größten Herausforderungen liegen. Dieser Workshop ist als ein erster Schritt für die österreichischen TrainerInnen gedacht, ihr Berufsbild zu definieren und sich selbst zu organisieren. Andrea Kuhn-Bösch (Volkshochschule München) Mag. Ana Dimova (VHS Ottakring)

“„Ene, mene, muh – und schult bist du!“ Basisbildung am Übergang Schule-Ausbildung-Beruf?”
Was tun Jugendliche am Ende der Schulpflicht ohne ausreichende Basisbildungs-kenntnisse? Wie gestaltet sich die Diskussion darüber? Es werden Schuldige gesucht, Verantwortung wird weitergeschoben. Doch Schuldzuweisungen helfen Jugendlichen bei einem erfolgreichen Übergang von der Schule in die Arbeitswelt nicht. Der Workshop 8 stellt erprobte lösungs- und zielgruppenorientierte Aktivitäten und Maßnahmen vor und lädt ein, weitere Lösungsansätze zu erarbeiten und zu gestalten. Mag. Miriam Buchholzer (STVG), Dipl.-Päd. Sandra Weikhard (PTS Graz)