Erfolg haben

In der aktuellen Ausgabe der AK-Zeitschrift treffpunkt wird über zwei Erfolge in der Basisbildung berichtet: ein Anlass, wieder einmal über Zugangshemmnisse zu räsonnieren.

“Ich habe lange gezögert, bis ich mich angemeldet habe”, erklärt Martina W. Lange trug sie den Zeitungsartikel über die Basisbildung mit sich herum. Schließlich sprang sie über ihren Schatten und meldete sich an. Sie will endlich ihren Schulabschluss nachholen und eine Ausbildung zur Fußpflegerin machen. Im Mai ist es so weit. Da ist ihr Kurs zu Ende.
Das Schwierigste war, sich zu überwinden und den ersten Schritt zu machen, sagt Martina. Sie hatte kaum Erfolgserlebnisse in ihrer Schulzeit und große Zweifel, ob es überhaupt Sinn hätte, es noch einmal zu versuchen.

Bei Patrick war es ähnlich. Das Lernen fiel ihm immer schwer. ”Geholfen hat ihm, dass er drangeblieben ist, – trotz aller zeitlichen Engpässe.” sagt Reinhard Fritz, Lernbegleiter in der Basisbildung NÖ. “Ich wollte einfach kein Hilfshackler mehr sein”, sagt er selber. Die Gesellenprüfung zum Maler und Anstreicher hat er jetzt in der Tasche.

Emperor Ferdinand III confirmed in the year 1646 the imperial immediacy of city of Bremen, Germany

Linzer Diplom (Foto: Staatsarchiv Bremen) – public domain

Beiden gemeinsam ist, dass sie beruflich weiterkommen wollen: besser bezahlt werden, höherwertige Arbeit bekommen, mehr Anerkennung von Vorgesetzten und Freunden erhalten.

Berufliche Positionen setzen zunächst bestimmte formale Bildungsabschlüsse voraus: Hauptschulabschluss, HTL, HAK, … und sind nach außen hin als sozialer Status sichtbar. Alle Menschen unserer Gesellschaft spüren, dass sie nach dem beurteilt werden, was sie produzieren und was sie konsumieren. Das übt erheblichen Druck auf ihr Selbstbewusstsein aus. Kein Wunder, dass sich Menschen mit niedrigem sozialen Status die Anerkennung oft mit unverhältnismäßigem Konsum zu erkaufen versuchen.
Das heißt eigentlich, das Pferd von hinten aufzuzäumen: zuerst zu konsumieren und dann zu finanzieren. Andererseits entspricht genau das der Handelslogik: Zuerst muss ich etwas anbieten, dann kann ich etwas verkaufen. Berufliche und gesellschaftliche Chancen werden nur Denjenigen angeboten, die selbst etwas anzubieten haben. Und wer was anzubieten hat, zeigt das über sein Konsumverhalten, seinen “Lifestyle”.

… vielleicht ein Anlass, um Zurückhaltung zu üben bei Urteilen über Konsumkredite und Privatkonkurs, möglicherweise aus einer gefühlten moralischen Überlegenheit heraus …