Gender und Diversity in der Zielgruppenerschließung

Das Netzwerk Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich fühlt sich den Strategien des Gender Mainstreaming und des Diversity Management verpflichtet.

Das zentrale Ziel des Vereins “Die Kärntner Volkshochschulen” liegt im Bereich Zielgruppenerschließung, besonders in der Entwicklung neuer und Zusammenführung und Evaluierung erprobter Methoden, Konzepte und Instrumente einer zeitgemäßen Zielgruppenerschließung, die die Zielgruppe tatsächlich ansprechen und erreichen. Die Ergebnisse stehen als Handbuch zur Verfügung. Im Rahmen des Gute Ideen Programms wurden ein LESEZeichen und ein HINWeiser erstellt, welche von allen BasisbildungsanbieterInnen und NetzwerkpartnerInnen individuell gestaltet und genutzt werden können. Weiters entstanden gemeinsam mit dem ÖGB Oberösterreich ein Unterstützungskonzept für  BasisbildungsbotschafterInnen und eine 2 Minuten Basisbildung mit der Botschafterin Veronika Kleiner.

Die Umsetzung

(1) Ausgewählte erprobte Methoden, Konzepte und Instrumente zur Zielgruppenerreichung werden im Rahmen einer Fokusgruppe durch KursteilnehmerInnen bewertet und evaluiert.

(2) Der Aufbau einer ABC-Gruppe von BasisbildungsteilnehmerInnen für BasisbildungsteilnehmerInnen wird mit den TeilnehmerInnen besprochen und diskutiert. Damit ist sichergestellt, dass durch die direkte Einbindung der Zielgruppe in die Planung, diese auch direkt angesprochen und erreicht wird.

Dimension, Beschreibung der Unterschiede

In den Dimensionen Geographische Lage – Nationalität – Geschlecht/Gender sind relevante Unterschiede erkennbar. In der “organisationalen Einstufung” herrscht eine Homogenität vor, da alle TeilnehmerInnen der Fokusgruppe mit denselben Inhalten in einer festgelegten Gruppe, am selben Ort und im selben Zeitraum konfrontiert sind.

Dimension geographische Lage: Aufgrund der geographischen Lage und der Verkehrsanbindungen, ist es für TeilnehmerInnen oft schwierig, Kursmaßnahmen zu besuchen.

Dimension Nationalität: Die TeilnehmerInnen der Fokusgruppe haben zu 50 Prozent Migrationshintergrund.

Dimension Geschlecht/Gender: Die TeilnehmerInnen der Fokusgruppe sind zu 70 Prozent weiblich.

Gender Relevanz

Gender spielt in allen beschriebenen Unterschieden eine Rolle. Möglicherweise gibt es eine größere Benachteiligung der weiblichen TeilnehmerInnen aufgrund von geographischer Lage und Elternschaft durch Gender.

Ziele

Gleichstellungsziel: Die Fokusgruppe wird örtlich und zeitlich so festgelegt, dass auch TeilnehmerInnen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, teilnehmen können. Weiters haben Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalitäten gleichermaßen Zugang zur Fokusgruppe.

Maßnahmen

Die Zeit für die Durchführung der Fokusgruppe wird so gewählt, dass auch TeilnehmerInnen mit Betreuungspflichten an den Veranstaltungen teilnehmen können.

(1) Evaluation: Die Evaluation der Methoden, Konzepte und Instrumente zur Zielgruppenerschließung erfolgt qualitativ durch die TeilnehmerInnen der Fokusgruppen.

Zusammenfassung und Zielerreichung

Die Fokusgruppe fand im Rahmen eines Basisbildungskurses statt. Die TeilnehmerInnen waren also vor Ort und mussten keine zusätzlichen Wege auf sich nehmen, um daran teilzunehmen. Die TeilnehmerInnen kamen aus Klagenfurt. Die Fokusgruppe war sowohl für Männer als auch für Frauen gleichermaßen zugänglich. Von den 9 TeilnehmerInnen waren 7 weiblich und 2 männlich. Die Altersverteilung lag zwischen 21 und 63 Jahren. Sieben TeilnehmerInnen sind österreichische StaatsbürgerInnen, ein/e TeilnehmerIn hat die bosnische Staatsbürgerschaft, ein/e TeilnehmerIn ist afghanische/r StaatsbürgerIn.

Dokumentation der Fokusgruppe

(1) Werbematerialien zur Zielgruppenansprache (Folder, Flyer, Plakate, Werbespots etc.) werden von der Gruppe angesehen, begutachtet und bewertet.

Alle TeilnehmerInnen konnten erkennen, um welches Angebot es sich handelte, wobei Lesen und Schreiben im Vordergrund standen. Auch die Kontaktdaten waren für alle TeilnehmerInnen klar erkennbar. Von den Bildern und Botschaften fühlten sich sieben von neun TeilnehmerInnen angesprochen. Einmal wurden die Bilder als zu negativ, mit dem Fokus auf die Hürden im Leben, betrachtet, ein weiteres Mal wurde das Motiv nicht mit Basisbildung in Verbindung gesetzt. Die Texte waren bei allen beurteilten Werbemitteln leicht verständlich. Ein Wunsch der TeilnehmerInnen ist es, mit den Bildern und Grafiken Erfolge darzustellen, da die TeilnehmerInnen selbst wissen, was ihre Hürden im Leben sind.

(2) Vorschläge zu Möglichkeiten für eine Werbekampagne oder einen Weg der Zielgruppenansprache sind von den TeilnehmerInnen eingebracht.

Die TeilnehmerInnen gaben sehr viele Anstöße, wie Öffentlichkeitsarbeit für die Basisbildung aus ihrem Blickwinkel aussehen sollte. Kernbotschaften für Anbieterorganisationen sind:

  • Radio und Fernsehen verstärkt zur TeilnehmerInnenerreichung einsetzen
  • Werbespots von TeilnehmerInnen für Betroffene erstellen
  • TeilnehmerInnen verstärkt in die Öffentlichkeitsarbeit einbinden, da sie selbst die besten BotschafterInnen sind.
  • Positive Botschaften aussenden: Ziele, Erfolge, Freude und Glück!

(3) Die Idee der Umsetzung einer ABC-Gruppe für BasisbildungsteilnehmerInnen ist vorgestellt und diskutiert.

Gemeinsam mit den TeilnehmerInnen wurde die Idee der ABC-Gruppe Kärnten diskutiert. Die TeilnehmerInnen waren von der Idee sehr angetan und besprachen die notwendigen Rahmenbedingungen.

  • Es muss ein eigenes Büro mit Teeküche, PC-Arbeitsplatz, Drucker, Kopierer und Telefon geben, das zentral in der Stadt gelegen ist.
  • Die TeilnehmerInnen benötigen professionelle Unterstützung von Seiten der Kärntner Volkshochschulen.
  • Die Treffen sollten am Abend ab 18:00 Uhr alle 2 Wochen bzw. alle 4 Wochen stattfinden.
  • Die Bewerbung sollte über eine eigene Homepage erfolgen.
  • Für die Beratung von Betroffenen sollte ein Schichtdienst eingerichtet werden, um die Verantwortung in der Gruppe aufzuteilen.
  • Freiwilligkeit und Engagement müssen gegeben sein.
  • Die TeilnehmerInnen brauchen, um öffentlich auftreten zu können, Weiterbildungen.

Die TeilnehmerInnen diskutierten angeregt über die einzelnen Bereich und gaben sehr viele Anstöße und Anregungen für die Arbeit von Anbieterorganisationen der Basisbildung in Österreich. Für die Kärntner Volkshochschulen steht fest, dass TeilnehmerInnen in den Prozess der Entwicklung von Materialien und Zugängen für die Zielgruppen eingebunden werden müssen, um diese auch tatsächlich zu erreichen. Unser nächster Schritt im Rahmen von In.Bewegung ist die Initiierung einer ABC-Gruppe für (ehemalige) TeilnehmerInnen, um Betroffenen eine Anlaufstelle ohne “Hürden” anzubieten.

Leben und Lernen

Die Ausrichtung der österreichischen Bildungspolitik, die Menschen in ihrem Entwicklungs- und Bildungsprozess zu fördern, zu unterstützen und zur Selbstverantwortlichkeit zu führen ist eine grundsätzlich wichtige Überlegung.

Bildung zieht Kreise

Bildung zieht Kreise

Die Gehirnforschung belegt eindeutig, dass wir durch Lernen unser Gehirn bis ins hohe Alter aktiv halten und selbstverantwortliches Handeln im engen Zusammenhang mit der Möglichkeit zur Bildung steht.Wenn es jedoch durch die Strategie des lebensbegleitenden Lernens zu einer Überbetonung der Bildung, speziell im Hinblick auf  „Weiterentwicklung“ – das „Werden“ kommt, dann ist diese Ausrichtung zu einseitig. Es wird wieder zu einer Gegenbewegung kommen, die mehr das  „Sein“ als Schwerpunkt sieht. Wir leben in einem Spannungsfeld der Polarität. Auf der einen Seite das „Sein“ auf der anderen Seite das „Werden“. Wir bewegen uns innerhalb dieses Feldes und die  „Mitte“ ist der ausgeglichene Zustand.

Meine Meinung ist, dass Bildung / lebensbegleitendes Lernen eine Verknüpfung zwischen dem „Sein“ und dem „Werden“ ermöglichen muss. Dieser Verknüpfungsprozess ermöglicht, dass das Wissen dauerhaft in der Persönlichkeit verankert wird.

Sein und Werden

Sein & Werden

Lebensbegleitendes Lernen bzw. Bildung ist ein natürlicher Prozess und wichtig für uns Menschen. Lernen ist jedoch nur im Rahmen der persönlichen Freiheit möglich und im ganzheitlichen Ansatz, der das Sein und Werden mitsammen verbindet: Bildung als Prozess der Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung.

Basisbildung ist die Vorstufe zum selbstgesteuerten Prozess des lebensbegleitenden Lernens und schafft die Voraussetzungen dafür. Es ist ein Türöffner und Mittler.

“Ich kann lesen und schreiben! Ich muss mich nur trauen!”

Dies sagt Veronika Kleiner heute stolz über sich. Sie ist Basisbildungsbotschafterin der Kärntner Volkshochschulen. Veronika sieht es als ihren Auftrag, anderen Betroffenen, die noch nicht richtig lesen und schreiben können, die Angst zu nehmen.

„Betroffene sollen den Mut fassen, einen Basisbildungskurs zu besuchen. Jeder Einstieg ist schwer, aber man bekommt so viel Positives zurück, es entsteht ein wahres Glücksgefühl. Vor Kursbeginn konnte ich nur meinen Vor- und Nachnamen schreiben. Mittlerweile schreibe ich schon Texte. Durch den Kursbesuch kann man Dinge machen, die man sich vorher nie vorstellen konnte. In der Gruppe unterstützen wir uns gegenseitig, es herrscht eine Vertrautheit und niemand lacht über den anderen, wenn man Fehler macht.“

Veronika Kleiner

Veronika Kleiner ist seit dem Jahr 2006 Lernerin in der Volkshochschule Grundbildung. Sie besuchte drei Jahre die erste Klasse Volksschule und wurde danach in die Sonderschule versetzt. Mit 15 Jahren kam Veronika zu “Jugend am Werk” um die berufliche Integration in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Nach Stationen im Gastgewerbe führte sie ihr Weg nach zu “Pro Mente”, wo Veronika Kleiner von 1999 bis 2008 als Betroffenenvertreterin des Tageszentrums und schließlich für ganz Kärnten engagierte. Ihre Aufgaben umfassten als Mitglied des Vorstandes von Pro Mente die Vorstellung des Vereins bei Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und die Weiterentwicklung der Betroffenenvertretung. Ihr ganzes Leben lang hatte sie Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Schriftsprachliche Aufgaben erledigte ihr Vater bis zu seinem Tod für sie. In ihrer Arbeit als Betroffenenvertreterin stiegen die Anforderungen an ihre Schriftsprache, was sie schließlich zur Beendigung ihrer Tätigkeit bewegte. Im Alltag verschleierte sie ihre Defizite und wandte unterschiedliche Strategien an.

Zu dieser Zeit sah Veronika Kleiner einen Werbespot für ein Basisbildungsangebot in Deutschland und wunderte sich, dass es so etwas in Österreich noch nicht gab. Eine Betreuerin von Pro Mente machte sich auf die Suche nach einem Basisbildungskurs in Kärnten und wurde in der Volkshochschule Kärnten fündig. Das Erstgespräch empfand Veronika als angenehm, da dieses in Begleitung ihrer Betreuerin stattfand . Zum ersten Kurstag musste sie dann allerdings alleine gehen. Sie erzählt heute, dass sie schweißgebadet hinkam. Die Trainerin nahm ihr von Anfang an die Angst. Trotzdem brauchte Veronika sehr lange, bis sie verstand, dass ihr im Kurs nichts passieren kann. Der Gedanke, dass jemand erfahren könnte, dass sie nicht lesen und schreiben kann, bereitetet ihr große Sorgen.

Mittlerweile hat sich diese Angst gelegt. Ihre Lebensqualität hat sich gesteigert und sie sieht wieder einen Sinn im Leben. Sie ist stolz darauf, Basisbildungsbotschafterin zu sein, gibt Interviews für Zeitungen, Radio und Fernsehen. “Das Reden, das liegt mir irgendwie, das habe ich immer können”, beschreibt sie ihr Engagement.

Für die Zukunft hat Veronika bereits viele Ideen. Eine davon ist es, eine ABC-Gruppe in Kärnten zu gründen, welcher die ABC-Selbsthilfegruppe in Oldenburg als Vorbild dient.

AutorInnen:  Gloria Sagmeister (Die Kärntner Volkshochschulen), Christian Wretschitsch (ÖGB Oberösterreich);

Basisbildung für Schlaue

Basisbildung 2020

Basisbildung 2020

Der soll ein funktionaler Analphabet sein? Aber der schaut doch viel zu pfiffig aus!
So beginnt am 6. Mai ein Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung über den Analphabetismus. Er spricht über das weitverbreitete Klischee, dass die Ursache dafür Minderbegabung sei. Dieser Schluss liegt für viele auf der Hand: Herrscht doch in Österreich seit Jahrhunderten allgemeine Schulpflicht, die seit Jahrzehnten lückenlos erfüllt wird. Wer da nicht Lesen und Schreiben lernt, der muss wirklich dumm sein.
Die Wirklichkeit
Wirklichkeit ist leider auch, dass die Pflichtschule nicht lückenlos für Qualität garantieren kann: Stichwort Leistungsverantwortung. Die Qualität der Pädagogik, die Qualität in der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden, Eltern und SchülerInnen reicht nicht aus, um allen schulpflichtigen Kindern die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Dazu kommt, dass die Schule keine sozialen Ungleichheiten ausgleichen kann. Wenn die Eltern nicht ergänzen, was die Schule nicht leisten kann, dann bleiben die Kinder zurück. Und wenn weder Eltern noch Schule zur geistigen Entfaltung des Kindes beitragen können, wird das Pflichtschul-Abschlussniveau nicht erreichbar sein. Möglicherweise wird trotzdem ein positives Abschlusszeugnis ausgegeben, auch wenn die notwendigen Grundfertigkeiten gar nicht vorhanden sind. Und dann beginnt der Spießrutenlauf zwischen Arbeitgebern und Behörden, mit der ständigen Angst, bloßgestellt zu werden. Dass aus solchen Erfahrungen sozialer Rückzug, Opferhaltung, Verweigerung, Aggression und Ablehnung von Bildungsangeboten resultieren, verwundert nicht.
Der Traum
Meine Vision ist, dass 2020 Basisbildung für die Schlauen ist und nicht mehr als Spezialförderung für die Zurückgebliebenen gilt. Schlau sein heißt dann, sich das Know How zu besorgen, das für die momentane Lebenssituation notwendig ist. Das ist dann genau so selbstverständlich wie die Teilnahme am Kurs zum ökologischen Gartenbau oder zur Erstellung des eigenen Stammbaumes.

  • Wird z. B. die Verwendung der Schriftsprache immer unumgänglicher, dann geht jeder Mensch ganz selbstverständlich in die Basisbildung und bekommt dort die passgenaue Un-terstützung.
  • Ist es unmöglich, mit der eigenen Rechenkompetenz zu rationalen Entscheidungsgrundlagen zu kommen, führt der erste Weg in die Basisbildung. Nachvollziehen, trainieren und anwenden wird zur Selbstbestärkung schlechthin.
  • Haben sich neue Technologien etabliert, mit denen viele schon selbstverständlich umgehen, führt der erste Weg in die Basisbildung. Dort können sich alle sicher sein, einen Einstieg auf dem passenden Niveau zu finden.

Niemand wird es mehr notwendig haben, sich für fehlende Kompetenzen zu rechtfertigen. Das Nachholen von Abschlüssen ist absolut uninteressant. Gewürdigt wird die Eigeninitiative, sich das anzulernen, was der Mensch für sein menschliches und berufliches Fortkommen braucht. Unterstützt wird das selbstverständlich nicht nur informell, sondern bundesweit institutionell, finanziell und kommunal. Lernen vor Ort und virtuell vernetzt greifen ganz selbstverständlich ineinander.

Alphabetterday 2.0 – “Für Basisbildung In.Bewegung”

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Zielgruppenerschließung in den Basisbildung bekam im Jahr 2013 ein neues Gesicht. Kärntner SchülerInnen machten mit dem Alphabetterday 2.0 auf die Bedürfnisse von Menschen mit Bildungsdefiziten aufmerksam.

Knapp 800 SchülerInnen aller Handelsakademien Kärntens und einzelner Neuer Mittelschulen wanderten am 01. und 02. Juli 2013 mit bunten Luftballons und Infomaterialien durch Spittal, Villach, Feldkirchen, Althofen, Klagenfurt, Völkermarkt und Wolfsberg. „Die Bevölkerung zum Thema Basisbildung informieren und sensibilisieren!“ lautete das Motto der SchülerInnen und der Kärntner Volkshochschulen.

Im Rahmen des Deutschunterrichts bearbeiteten PädagogInnen das Thema Basisbildung in Österreich mit ihren SchülerInnen. Zusätzlich dazu gab es im Rahmen von Workshops die Möglichkeit, mit ProjektkoordinatorInnen der Kärntner Volkshochschulen eingehend über das Thema zu diskutieren und Fragen zu stellen.

Geplant und umgesetzt wurde dieses Projekt von den SchülerInnen Felix Hafner, Tamina Scherde und Christina Novak und ihrer Professorin Christine Kohlweis-Peternel gemeinsam mit dem Teilprojekt 4 des Netzwerks Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich. Damit wurde der Öffentlichkeit veranschaulicht, dass lesen und schreiben zu können kein Privileg, sondern ein Menschenrecht ist. Betroffene und deren Angehörige erhielten Informationen zu Kursangeboten in Kärnten. “Handeln statt Zuschauen!”

Das Drehbuch für den Unterricht

Lernmaterial

Requisiten

Wer einen Unterricht plant, denkt sich so etwas wie ein Drehbuch aus: Worum geht es? Wer ist mit dabei? Welche Regieanweisungen sind nötig? Welche Requisiten brauchen wir?
Gibt es Dokumentationspflichten, ist das Ganze schriftlich zu machen. Dabei sind meistens bestimmte Konzepte zu berücksichtigen, – Selbststeuerung, Kompetenz-Orientierung, individuelle Lernziele o. ä. Ab einer gewissen Anzahl von solchen Vorgaben sind vorgefertigte Szenarien ein Vorteil. Darin könnten sich dann Anregungen finden, wie widersprüchliche Vorgaben umgangen oder aufgelöst werden: individuelle Lernziele im Gruppenunterricht etwa …
Viel interessanter aber sind die Ideen zu Vermittlung, Aktivierung und Betreuung der Lernenden während des ganzen Ablaufs: Welcher Zugang könnte für die Gruppe lohnend sein? Was bestärkt? Was motiviert? Können die Einzelnen ihre Lernziele erkennen? In welchen Sozialformen ist die Gruppe geübt? Und welche Aufgabentypen werden dann gut funktionieren? … ein gedankliches El Dorado für kreative Geister!
Bei allem Pragmatismus, den die Praxis verlangt, ist so eine Vorbereitung doch eine komplexe Sache. Ein guter Anlass, sich bewusst zu werden, wie viel Know How hinter einer alltäglichen Unterrichtsvorbereitung steht: Weiterlesen

Wählen gerne! Aber wie?!

Ein Brief vom Bürgermeister liegt in meinem Postkasten. Informationen zur Nationalratswahl am 29. September. Wahlzeiten, das zuständige Wahllokal sind angeführt, der Weg zur Beantragung einer Wahlkarte ist genau beschrieben.
Und ich weiß mit Sicherheit: Dieser Brief wird in vielen Haushalten ungelesen im Müll landen.

Nein, es ist nicht Politikverdrossenheit oder schlichtweg Desinteresse – es sind die vielen kleinen Buchstaben, die erfasst, verbunden, gelesen, verstanden werden müssen. Zwei Seiten sinnerfassend lesen – zu groß ist die Hürde für viele Erwachsene.

Denn: 15 von 100 Erwachsenen in Österreich können nicht ausreichend lesen, schreiben oder rechnen. Beruf und Alltag werden zum Hürdenlauf – zur Wahl gehen ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Wo befindet sich mein Wahllokal? Wie lange hat es offen? Wann ist der Stimmzettel gültig ausgefüllt? Fragen über Fragen, die immer wieder vor Wahlen in den Kursen des Basisbildungszentrums abc-Salzburg auftauchen. Dort stehen die Lernbedarfe und Interessen der KursteilnehmerInnen im Mittelpunkt. Und zurzeit erleben es unsere KursteilnehmerInnen wieder einmal hautnah:

Über das Wahlrecht zu verfügen ist eine Sache – davon tatsächlich Gebrauch machen zu können, ist das was wirklich zählt.

Utopie oder Apokalypse?

Was wird die Basisbildung 2020 sein? Wird es sie noch geben? 2020 ist schon in 7 Jahren. Wer von uns wird dann noch hier arbeiten? Wer wird in die Basisbildung kommen? Was wird die Basisbildung 2020 anbieten?
Die Frage nach dem Bild von Basisbildung im Jahr 2020 hat im Team der Basisbildung NÖ zahlreiche visionäre aber auch apokalyptische Ideen provoziert.

Basisbildung 2020

Basisbildung 2020

Die optimistischste Ansicht war, dass sich die Basisbildung in nur 7 Jahren so etabliert haben wird wie die Schule. D. h., es wird ganz selbstverständlich sein, sich notwendiges und nützliches Wissen auf Einstiegsniveau bei der Basisbildung zu holen. Die Basisbildung wird leicht zugängliche Bildungsangebote machen, die lebensnah sind und intensiv betreut werden. In diese Richtung geht auch der Gedanke, dass die Basisbildung in Zukunft eine nachgehende Bildungsarbeit verfolgen wird: Nicht die TeilnehmerInnen-Masse wird das Ziel sein, sondern die Arbeit in kleinen Gruppen mit unterschiedlichen inhaltlichen, methodischen oder Lernziel-Schwerpunkten.

Das Pflichtschulwesen wird sich in den nächsten 7 Jahren vermutlich nicht viel ändern. Vielleicht gelingt Weiterlesen

Wozu welche Studien/Publikationen und unter welchen Umständen bringen diese wem was?

Ich hatte mir die Aufgabe recht einfach vorgestellt, die Recherche dessen, was es an Studien und Publikationen zur Alphabetisierung und Basisbildung in Österreich bzw. zur österreichischen Situation gibt. Großzügig war schon der Verzicht auf eine Unterscheidung zwischen Studie und Publikation, auch eine klare Abgrenzung des Themas fehlte, der einfache Gedanke dahinter war, dass es wohl nur eine überschaubare Menge an Publikationen oder Studien zum Thema geben wird.
Die ganze Komplexität eröffnete sich mit einer genaueren Recherche und in Gesprächen mit den ExpertInnen im Rahmen von Interviews, aus denen wir dann einen Film gemacht haben, der auf der Tagung am 12.9.2013 auch präsentiert werden wird. Nicht nur die Definition des Forschungsgegenstandes präsentierte sich (erwartungsgemäß) schwierig, auch die Frage nach der Funktion und Sinnhaftigkeit von Studien, sowie nach notwendigen Untersuchungsbereichen.
Die österreichischen ExpertInnen sind sich offensichtlich auch gar nicht einig: während manche mehr Informationen über die Zielgruppe einfordern monieren andere, dass diesbezügliches Wissen hinterfragenswürdig ist, da dadurch ein Bild einer Zielgruppe konstruiert wird, welches ohne entsprechende Reflexion zur Verfestigung von Zuschreibungen führt. Meinen die einen, dass Studien zur Didaktik und Methodik fehlen, halten andere diesen Bereich für marginal bedeutend.
Sehr viel an Publikationen und Studien wird übrigens vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur gefördert, vieles davon im Kontext von Projekten. Von mehreren Seiten wurde in diesem Zusammenhang die Bereitschaft dieses Ministeriums positiv hervorgehoben, auch (selbst-)kritische Untersuchungen zu unterstützen, die sich nicht nur mit kurzfristiger Umsetzung und schnellem Nutzen beschäftigen, sondern den Diskurs kritisch gegen den Strich bürsten.
Wir haben versucht, einen Überblick über die vorhandenen Studien und Publikationen zum Thema Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich zu bekommen, indem wir über Mail und über die sozialen Medien aufgerufen haben, Abstracts zu eigenen Publikationen einzureichen bzw. uns darüber zu informieren, welche Studien es gibt. Das Ergebnis dieser Recherche fassen wir im folgenden Überblick zusammen. Die genannten Studien werden auf der Tagung im Rahmen eines Büchertisches aufgelegt, viele der AutorInnen werden anwesend sein und für Fragen zur Verfügung stehen.
Bis 9.9.2013 haben Sie übrigens noch die Möglichkeit, sich zur Tagung anzumelden. Wer es nicht nach Wien schafft, kann die Liveübertragung der Tagung im Internet verfolgen. (Dieser Link ist nur am 12.9.2013 während der Tagung verfügbar)

Auf den Menschen zugehen

Zielgruppenerschließung in der Basisbildung

IMG_3974Positive Botschaften können Menschen animieren, etwas zu bewegen und zu verändern. Empowerment und Selbstbestimmung und die notwendige Unterstützung bilden den zentralen Kern der Botschaften, welche Bildungseinrichtungen zur Zielgruppenerreichung in der Basisbildung aussenden. “Hab Mut zum Lernen”, “Lernen Sie, was Sie brauchen”, “Du bist nicht alleine” oder ”Du kannst nix dafür!” sind exemplarische Botschaften, die an potenzielle TeilnehmerInnen ausgesandt werden.

Die Botschaften zielen auf Lernmotive der zukünftigen TeilnehmerInnen ab. Selbständigkeit, der Einstieg in den Arbeitsmarkt, die Erhaltung des Arbeitsplatzes oder ein beruflicher Aufstieg, die Unterstützung der Kinder in der Schule, die Erlangung des Führerscheins und das Ende des Versteckens und der Ausgrenzung sind Motive, die Betroffene dazu zu bewegen, zur Erstberatung zu kommen und später einen Basisbildungskurs zu besuchen.

Mundpropaganda, sowohl von TeilnehmerInnen als auch NetzwerkpartnerInnen, ist in der Zielgruppenerreichung enorm wichtig. LernerInnen selbst sind die besten BasisbildungsbotschafterInnen, da sie von ihren eigenen Erfahrungen berichten können. Damit NetzwerkpartnerInnen informieren und vermitteln können, sind sowohl persönliche Kontakte mit Einrichtungen und Behörden als auch die laufende gezielte Information dieser Stellen sehr wichtig.

Die kontinuierliche Positionierung des Basisbildungsangebots in Fernsehen und Radio und Einschaltungen in regionalen und lokalen Zeitungen tragen ebenso dazu bei, das Thema Basisbildungsbedarf in der Öffentlichkeit präsent zu halten. Diese Präsenz und ein beständiges Angebot in Erwachsenenbildungseinrichtungen führen zur Bekanntheit der Einrichtungen im Basisbildungsbereich. Politische Lobbyarbeit und eine dementsprechende Förderung von und für Menschen mit Basisbildungsbedarf sollen sicherstellen, dass Basisbildungsangebote ein fester Bestandteil in der Bildungslandschaft sind.

So vielfältig unsere Zielgruppen sind, so kreativ und innovativ müssen auch unsere Zugänge sein. Eine wesentliche Herausforderung in der Zielgruppenerschließung ist nach wie vor die direkte und trotzdem diskrete und sensible Ansprache von Personen mit Defiziten im Lesen, Schreiben, Rechnen und im Umgang mit neuen Medien.