Über Renate Ömer

Renate Ömer ist gelernte DaF-Lehrerin und IT-Organisatorin. Arbeitsschwerpunkte: Methodik & Didaktik IKT, Mathematik mit Lebensweltbezug, Kompetenzorientierung. Bis 1999 Diplomstudium Komparatistik & Germanistik (DaF), bis 2008 IT-Organisation Teich AG, ab 2009 Lernbegleiterin Basisbildung, seit 2011 Projektarbeit Social Media in der Basisbildung.

Besser leben

Auf die Frage nach ihren Lernzielen nennen die Teilnehmenden der Basisbildung oft „nicht mehr ausgelacht werden“, „sich nicht mehr schämen müssen“, „mitreden können“, „Arbeit finden“ … Angenommen, solche Lernziele würden unter dem Titel „Besser leben“ zusammengefasst werden. Und angenommen, das bessere Leben wäre das Ergebnis von folgerichtigem Denken.
Dann könnte es gewinnbringend sein, Alltagsprobleme strukturiert anzupacken: z. B. mit dem Gegenteilsprinzip. „Ich möchte nicht mehr ausgelacht werden“ wird ins Gegenteil verkehrt und Verhaltensweisen gesammelt, die dazu beitragen ausgelacht zu werden. Anschließend wird die Sammlung Punkt für Punkt wieder ins Positive verkehrt – voilà die Handlungsmöglichkeiten, um nicht mehr ausgelacht zu werden. Wegen des Perspektivenwechsels heißt die Vorgangsweise auch Kopfstandmethode oder Flip Flop Methode.
Eine andere Möglichkeit ist das Analogieprinzip – eine Strategie, die oft als erstes beim Lernen angewandt wird: Habe ich meine Scham schon einmal überwunden? Wie habe ich das gemacht? Wer oder Was hat mir dabei geholfen? Ist die Strategie auf meine jetzige Situation übertragbar?

George Pólya

George Pólya

Sich Bilder im Kopf zu machen, sich in eine angenehme Situation zu versetzen und diese zu beschreiben, hat etwas sehr Intuitives. Das macht die beschriebenen Problemlöse-Strategien auf dem Gefühlsweg zugänglich. Möglicherweise verschafft das einen Zugang zu einem bewussten Handeln angesichts eines Problems, von dem man noch kein klares Verständnis hat. Mir scheint, dass es bei all dem im Grunde darum geht, bewusst Lösungsmethoden zu nutzen, um einen Mangel an intuitiver geistiger Beweglichkeit auszugleichen.

Die Fähigkeit, Probleme zu lösen wird eben wieder in der Kompetenzorientierung von Lernangeboten diskutiert. Lösungswege auswendig zu lernen bringt da gar nichts. Auch bewährte Lösungsmethoden sind keine Rezepte, die eine Lösung garantieren (nachzulesen bei George Pólya). Selber tun lassen, Erfahrungen sammeln lassen, Erfahrungen ordnen, bewerten und in neuen Situationen einsetzen – das ist Kompetenzlernen.
In Bewegung arbeitet momentan an der Entwicklung einer Fortbildung zum Einsatz von Problemlöse-Methoden in der Praxis. Mehr dazu ab Jänner auf www.praxis-basisbildung.at

Renate Ömer, BHW NÖ

Ein Weltrekord von A bis Z

600 SchülerInnen formierten sich auf Villachs Hauptplatz zum größten menschlichen Alphabet – ein gelungener Rekordversuch, der mit viel Spaß und Freude am Bewegen am 29. Juni über die Bühne gegangen ist.
Der Aktionstag „Alphabetterday“, von den Kärntner Volkshochschulen initiiert, soll darauf aufmerksam machen, dass in Kärnten noch immer mehr als 50.000 Menschen Probleme mit Lesen, Schreiben und Rechnen haben und dafür die besten Botschafter gewonnen, um ein sichtbares Zeichen zu setzen – SchülerInnen aller Altersgruppen!
Die Kärntner Volkshochschulen haben 2012 deshalb zum Jahr der Alphabetisierung erklärt und wollten mit diesem großen Aktionstag auf die Problematik hinweisen! Gleichzeitig soll der Öffentlichkeit veranschaulicht werden, dass lesen und schreiben zu können kein Privileg, sondern ein Menschenrecht ist!
Das riesige, menschliche Alphabet, das sie gemeinsam gebildet haben, soll Mut machen und den Analphabetismus endlich aus der Tabuzone holen!

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Working & Shopping

Wer auf der Tagung das Vergnügen hatte, Workshops zu erleben, weiß zu berichten: Es ging heiß her. Und das im doppelten Sinne des Wortes. Inhaltlich wurden brandheiße News angeboten und das Raumklima tat ein Übriges, um uns ins Schwitzen zu bringen.
Mein Workshop zu Online-Tools in der Basisbildung trieb mir wahrhaftig die Schweißperlen auf die Stirn: gefühlte 40°C im PC-Raum, doppelt so viele Interessierte wie erwartet, die Tools nur für 10 BenutzerInnen getestet; ansonsten alles so wie im Kursgeschehen. Die Leute tröpfeln allmählich ein, der eine oder andere PC akzeptiert kein Passwort, die vorbereiteten Seiten können nicht im Internet Explorer angezeigt werden, mein Firefox ist abgestürzt …
Die meisten Workshop-Gäste beweisen Geduld genug, um  diese Anfangshürden zu nehmen. Da wir das von der Zielgruppe der Basisbildung nicht erwarten können, empfehle ich, die Links vor Kursbeginn auf den einzelnen PCs als Bookmarks (Favoriten) abzulegen. Wer in einem Windows-Netzwerk arbeitet, kann die Bookmarks auch über die Öffentlichen Ordner auf die einzelnen PCs verteilen. Das erspart uns, den USB-Stick in jeden PC reinstecken zu müssen. Optimal ist es, die benötigte Seite auf allen PCs aufzurufen, bevor der Kurs beginnt.
Diese Startschwierigkeiten sind symptomatisch für computerunterstütztes Lernen: alleine die Bedienung des Werkzeugs erfordert Zeit. Das darf in der Gruppe thematisiert werden, denn die Computerbedienung ist immer – zumindest unausgesprochen – Lerninhalt. Was darin weitergeht, d.h., was die Lernenden sich im Tun erarbeiten, darf und soll ihnen bewusst gemacht werden.
Schließlich kam der (Tiny) Chat in Gang und entwickelte sich zu einer angeregten Unterhaltung. Die Chat-Aussagen dann den wirklichen Personen zuzuordnen, kann eine vergnügliche – und im kleinen Kreis auch bewältigbare – Aufgabe zum gegenseitigen Kennenlernen sein.
Der absolute Renner waren aber Lichtschwert und Darth Vader. Was das mit Lernen und Basisbildung zu tun hat? Das Lichtschwert war das Requisit, das Neugierde erzeugte. Es aktivierte Vorwissen zum Thema Star Wars. Meine Frage nach dem Zusammenhang von Star Wars und Autos zielte darauf ab, Vermutungen über den Inhalt des folgenden Videos bilden zu lassen. Das sollte die Bewusstheit beim Zusehen erhöhen und das reflexartige Zurücklehnen und Hirnausschalten verhindern. [youtube]http://youtu.be/R55e-uHQna0[/youtube]Das Video wird projiziert oder auf einem TN-PC aufgerufen. Um die körperliche Aktivität zu erhöhen, könnte zwischen Zuschau- und Arbeitsplätzen hin- und hergewechselt werden. Wie die Aktivität weiterging und was gelernt wurde, ist hier nachzulesen.

Renate Ömer, BHW NÖ