“Mut zum Lernen”

Mut zum Lernen

“Mut zum Lernen” ist eine barrierefreie Website der Kärntner Volkshochschulen. Sie soll Erwachsenen, die mit dem Lesen und Schreiben ein Problem haben, Mut machen und ihnen hilfreiche Tipps geben. Alle Texte wurden mit Audiodateien hinterlegt und werden vorgelesen. Gemeinsam mit den BasisbildungsbotschafterInnen Veronika Kleiner und Ronald Suppik starten die Kärntner Volkshochschulen damit eine Initiative, um Betroffene auch über das Social Web zu erreichen und sie über unsere kostenlosen Grundbildungs- Lerngruppen in Kärnten zu informieren.

Geschafft

Wir zeigen den Lernweg unserer BasisbildungsbotschafterInnen Veronika Kleiner und Ronald Suppik. Die beiden haben als Erwachsene den Mut zum Lernen gehabt. Sie haben es geschafft. In einem Basisbildungskurs erlernten sie das Lesen und Schreiben und verbesserten ihre Rechtschreibung. Heute sind sie für andere Menschen ein Vorbild. Sie sind BotschafterInnen der Kärntner Volkshochschulen.

Beide machen durch Interviews in Zeitungen, im Radio und im Fernsehen Betroffenen Mut, geben Hoffnung und Selbstbewusstsein.

Wollen auch Sie mit Veronika und Ronald sprechen und sich über die Basisbildungskurse informieren? Wir stellen den Kontakt gerne für Sie her.

Lerngruppen

Die Website bietet Informationen zu unseren Lerngruppen und Zusatzangeboten wie EDV-Kursen, Mal- oder Schwimmkursen.

Radio und TV / Material

Wir präsentieren unsere Fernsehbeiträge, Spots und Radiointerviews und bieten interessante Unterlagen und Links zum Lernen.

Diese Plattform entstand im Rahmen des Projekts In.Bewegung 4 des Netzwerks Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich.

Wir danken unseren Fördergebern, dem Bundesministerium für Bildung und Frauen und dem Europäischen Sozialfonds.

 

 

Der Weltalphabetisierungstag feiert Geburtstag

Die Welt begeht heuer den 66 Weltalphabetisierungstag. Dieser wurde von der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) in Teheran, im Rahmen einer Weltkonferenz zum Analphabetismus im September 1965 gegründet. Aktionen und Veranstaltungen dazu wurden am 08. September 1966 erstmals durchgeführt.

Seit diesem Jahr wird der Weltalphabetisierungstag  begangen, um auf das Thema Basisbildungsbedarf und Alphabetisierung weltweit aufmerksam zu machen und Aktionen zur Sensibilisierung durchzuführen. Damit soll vor Augen geführt werden, dass Bildung ein Menschenrecht ist.

Die UNESCO vergibt zum Weltalphabetisierungstag alljährlich drei Bildungspreise:

  • den UNESCO International Reading Association Literacy Prize an Organisationen und Personen, die spezielle Basisbildungsangebote entwickelt und umsetzt,
  • den UNESCO King Sejong Literacy Prize an Organisationen und Personen, die sich der Förderung des Erwerbs der Muttersprache in Entwicklungsländern verschrieben haben und
  • den UNESCO Confucius Price for Literacy der Volksrepublik China zur Förderung von Basisbildungsangeboten für Frauen und Jugendliche in ländlichen Regionen.

Auch In.Bewegung hat sich zum Weltalphabetisierungstag wieder eine besondere Aktion überlegt. Lassen Sie sich überraschen!

Keep on moving

Unter diesem Motto lud das NetIMG_7815zwerk Basisbildung und Alphabetisierung zum letzten Netzwerktreffen im Rahmen des Projekts In.Bewegung 4.

Seit 2005 hat In.Bewegung AkteurInnen der Basisbildung und Alphabetisierung vernetzt und die Sensoren permanent in die zukünftigen Handlungsfelder des Themas ausgestreckt.
Dies war einerseits durch die Förderungen des ESF und des Bundesministeriums für Bildung und Frauen und andererseits durch das Engagement von PionierInnen möglich.
Zum Dank für die konstruktive und kontinuierliche Arbeit luden wir alle PartnerInnen und unsere Fördergeber nach Wien ins Café Oben ein.

IMG_7834Mag. Regina Rosc und Mag. Beate Gfrerer stimmten mit ihren Begrüßungsworten auf den Vortrag von Mag. Lena Doppel ein, die über das Thema “Vernetzt im Netz – Gemeinsam statt einsam mit Social Media” sprach.

Alfred Berndl führte interessante Interviews mit WeggefährtInnen und überreichte Patenschaften für wichtige Themen der Basisbildung.

Die Themen und deren Patinnen und Paten:

  • Qualität in der Basisbildung (Dr. Gerhard Bisovsky, Verband Österreichischer Volkshochschulen)
  • Neue Lernorte (Mag. Angelika Hrubesch, Die Wiener Volkshochschulen)
  • Alfa-Telefon Österreich (Dr. Peter Schlögl, Österreichisches Institut für Bildungsforschung)
  • Basisbildung in Betrieben (Mendim Deari, AK Wien)
  • BasisbildungsbotschafterInnen (Dr. Gerwin Müller, Die Kärntner Volkshochschulen)

Im Anschluss war Zeit für Vernetzungsgespräche beim kulinarischen und musikalischen Ausklang mit Musik von Queensize.

 

Mut zum Lernen

178600_web_R_K_by_Henry Klingberg_pixelio.de

Quelle: Henry Klingberg/ pixelio.de

So tauften die elf TeilnehmerInnen der Basisbildungskurse der Kärntner Volkshochschulen ihre “Gruppe”. Dieser freiwillige Zusammenschluss von LernerInnen bietet jenen, die bereits sehr lange in Basisbildungskursen gelernt haben die Möglichkeit, nach Abschluss dieser in Kontakt zu bleiben und auch gemeinsam Aktivitäten in den Bereichen Lernen, Weiterbildung und Öffentlichkeitsarbeit zu setzen.

Vorbild für die BasisbildungsteilnehmerInnen der Gruppe “Mut zum Lernen” sind Brigitte van der Velde und Ernst Lorenzen, die im Jahr 2011 die ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg gegründet haben.

Lernen – Weiterbildung – Öffentlichkeitsarbeit

Die TeilnehmerInnen wollen auch nach dem Abschluss des Basisbildungskurses weiterlernen. Das Lernen soll dabei eigenständig erfolgen. Unterstützung finden sie zu Beginn und auch später bei Bedarf durch TrainerInnen der Volkshochschule Grundbildung.

Bildung ist den TeilnehmerInnen wichtig. Neben Basisbildungsinhalten werden die Bedarfe an Weiterbildungsmaßnahmen erhoben und Angebote zu den Themen Selbstpräsentation, Umgang mit Medien, Kommunikationstraining und zum Schreiben einer Rede organisiert.

Ein Thema der Gruppe wird auch die Öffentlichkeitsarbeit sein. Sie möchten anderen Menschen Mut machen, Basisbildung ein Gesicht geben, konkrete Hilfe und Beratung für Interessierte anbieten, Aktionen setzen und über eine Homepage, Facebook und Werbematerialien auf das Thema aufmerksam machen.

Beim ersten Treffen am 15. April 2014 wurde das Projekt vorgestellt. Mit Begeisterung erarbeiteten die TeilnehmerInnen erste Schritte für die Umsetzung unseres Vorhabens.

Wir sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse, welche wir im September 2014 präsentieren werden.

Mut zum Lernen – mehr als ein Slogan.

Das war 2013! Was kommt 2014?

In.Bewegung 2013 stand ganz im Zeichen der

Schmökern Sie durch unsere Produkte, Filmbeiträge, Websites und machen Sie sich selbst ein Bild, was In.Bewegung im Jahr 2013 umgesetzt hat.

Was bewegt uns 2014? Wir arbeiten weiter in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätsentwicklung, Beispielentwicklung, Informationsaufbereitung, Sensibilisierung, Transfer, Zielgruppenerschließung und neue Lernorte und werden Sie im September 2014 wieder mit einer Aktion zum Weltalphatag überraschen. Seien Sie gespannt!

Wir wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für 2014!

Happy NY 2014

 

Gender und Diversity in der Zielgruppenerschließung

Das Netzwerk Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich fühlt sich den Strategien des Gender Mainstreaming und des Diversity Management verpflichtet.

Das zentrale Ziel des Vereins “Die Kärntner Volkshochschulen” liegt im Bereich Zielgruppenerschließung, besonders in der Entwicklung neuer und Zusammenführung und Evaluierung erprobter Methoden, Konzepte und Instrumente einer zeitgemäßen Zielgruppenerschließung, die die Zielgruppe tatsächlich ansprechen und erreichen. Die Ergebnisse stehen als Handbuch zur Verfügung. Im Rahmen des Gute Ideen Programms wurden ein LESEZeichen und ein HINWeiser erstellt, welche von allen BasisbildungsanbieterInnen und NetzwerkpartnerInnen individuell gestaltet und genutzt werden können. Weiters entstanden gemeinsam mit dem ÖGB Oberösterreich ein Unterstützungskonzept für  BasisbildungsbotschafterInnen und eine 2 Minuten Basisbildung mit der Botschafterin Veronika Kleiner.

Die Umsetzung

(1) Ausgewählte erprobte Methoden, Konzepte und Instrumente zur Zielgruppenerreichung werden im Rahmen einer Fokusgruppe durch KursteilnehmerInnen bewertet und evaluiert.

(2) Der Aufbau einer ABC-Gruppe von BasisbildungsteilnehmerInnen für BasisbildungsteilnehmerInnen wird mit den TeilnehmerInnen besprochen und diskutiert. Damit ist sichergestellt, dass durch die direkte Einbindung der Zielgruppe in die Planung, diese auch direkt angesprochen und erreicht wird.

Dimension, Beschreibung der Unterschiede

In den Dimensionen Geographische Lage – Nationalität – Geschlecht/Gender sind relevante Unterschiede erkennbar. In der “organisationalen Einstufung” herrscht eine Homogenität vor, da alle TeilnehmerInnen der Fokusgruppe mit denselben Inhalten in einer festgelegten Gruppe, am selben Ort und im selben Zeitraum konfrontiert sind.

Dimension geographische Lage: Aufgrund der geographischen Lage und der Verkehrsanbindungen, ist es für TeilnehmerInnen oft schwierig, Kursmaßnahmen zu besuchen.

Dimension Nationalität: Die TeilnehmerInnen der Fokusgruppe haben zu 50 Prozent Migrationshintergrund.

Dimension Geschlecht/Gender: Die TeilnehmerInnen der Fokusgruppe sind zu 70 Prozent weiblich.

Gender Relevanz

Gender spielt in allen beschriebenen Unterschieden eine Rolle. Möglicherweise gibt es eine größere Benachteiligung der weiblichen TeilnehmerInnen aufgrund von geographischer Lage und Elternschaft durch Gender.

Ziele

Gleichstellungsziel: Die Fokusgruppe wird örtlich und zeitlich so festgelegt, dass auch TeilnehmerInnen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, teilnehmen können. Weiters haben Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalitäten gleichermaßen Zugang zur Fokusgruppe.

Maßnahmen

Die Zeit für die Durchführung der Fokusgruppe wird so gewählt, dass auch TeilnehmerInnen mit Betreuungspflichten an den Veranstaltungen teilnehmen können.

(1) Evaluation: Die Evaluation der Methoden, Konzepte und Instrumente zur Zielgruppenerschließung erfolgt qualitativ durch die TeilnehmerInnen der Fokusgruppen.

Zusammenfassung und Zielerreichung

Die Fokusgruppe fand im Rahmen eines Basisbildungskurses statt. Die TeilnehmerInnen waren also vor Ort und mussten keine zusätzlichen Wege auf sich nehmen, um daran teilzunehmen. Die TeilnehmerInnen kamen aus Klagenfurt. Die Fokusgruppe war sowohl für Männer als auch für Frauen gleichermaßen zugänglich. Von den 9 TeilnehmerInnen waren 7 weiblich und 2 männlich. Die Altersverteilung lag zwischen 21 und 63 Jahren. Sieben TeilnehmerInnen sind österreichische StaatsbürgerInnen, ein/e TeilnehmerIn hat die bosnische Staatsbürgerschaft, ein/e TeilnehmerIn ist afghanische/r StaatsbürgerIn.

Dokumentation der Fokusgruppe

(1) Werbematerialien zur Zielgruppenansprache (Folder, Flyer, Plakate, Werbespots etc.) werden von der Gruppe angesehen, begutachtet und bewertet.

Alle TeilnehmerInnen konnten erkennen, um welches Angebot es sich handelte, wobei Lesen und Schreiben im Vordergrund standen. Auch die Kontaktdaten waren für alle TeilnehmerInnen klar erkennbar. Von den Bildern und Botschaften fühlten sich sieben von neun TeilnehmerInnen angesprochen. Einmal wurden die Bilder als zu negativ, mit dem Fokus auf die Hürden im Leben, betrachtet, ein weiteres Mal wurde das Motiv nicht mit Basisbildung in Verbindung gesetzt. Die Texte waren bei allen beurteilten Werbemitteln leicht verständlich. Ein Wunsch der TeilnehmerInnen ist es, mit den Bildern und Grafiken Erfolge darzustellen, da die TeilnehmerInnen selbst wissen, was ihre Hürden im Leben sind.

(2) Vorschläge zu Möglichkeiten für eine Werbekampagne oder einen Weg der Zielgruppenansprache sind von den TeilnehmerInnen eingebracht.

Die TeilnehmerInnen gaben sehr viele Anstöße, wie Öffentlichkeitsarbeit für die Basisbildung aus ihrem Blickwinkel aussehen sollte. Kernbotschaften für Anbieterorganisationen sind:

  • Radio und Fernsehen verstärkt zur TeilnehmerInnenerreichung einsetzen
  • Werbespots von TeilnehmerInnen für Betroffene erstellen
  • TeilnehmerInnen verstärkt in die Öffentlichkeitsarbeit einbinden, da sie selbst die besten BotschafterInnen sind.
  • Positive Botschaften aussenden: Ziele, Erfolge, Freude und Glück!

(3) Die Idee der Umsetzung einer ABC-Gruppe für BasisbildungsteilnehmerInnen ist vorgestellt und diskutiert.

Gemeinsam mit den TeilnehmerInnen wurde die Idee der ABC-Gruppe Kärnten diskutiert. Die TeilnehmerInnen waren von der Idee sehr angetan und besprachen die notwendigen Rahmenbedingungen.

  • Es muss ein eigenes Büro mit Teeküche, PC-Arbeitsplatz, Drucker, Kopierer und Telefon geben, das zentral in der Stadt gelegen ist.
  • Die TeilnehmerInnen benötigen professionelle Unterstützung von Seiten der Kärntner Volkshochschulen.
  • Die Treffen sollten am Abend ab 18:00 Uhr alle 2 Wochen bzw. alle 4 Wochen stattfinden.
  • Die Bewerbung sollte über eine eigene Homepage erfolgen.
  • Für die Beratung von Betroffenen sollte ein Schichtdienst eingerichtet werden, um die Verantwortung in der Gruppe aufzuteilen.
  • Freiwilligkeit und Engagement müssen gegeben sein.
  • Die TeilnehmerInnen brauchen, um öffentlich auftreten zu können, Weiterbildungen.

Die TeilnehmerInnen diskutierten angeregt über die einzelnen Bereich und gaben sehr viele Anstöße und Anregungen für die Arbeit von Anbieterorganisationen der Basisbildung in Österreich. Für die Kärntner Volkshochschulen steht fest, dass TeilnehmerInnen in den Prozess der Entwicklung von Materialien und Zugängen für die Zielgruppen eingebunden werden müssen, um diese auch tatsächlich zu erreichen. Unser nächster Schritt im Rahmen von In.Bewegung ist die Initiierung einer ABC-Gruppe für (ehemalige) TeilnehmerInnen, um Betroffenen eine Anlaufstelle ohne “Hürden” anzubieten.

“Ich kann lesen und schreiben! Ich muss mich nur trauen!”

Dies sagt Veronika Kleiner heute stolz über sich. Sie ist Basisbildungsbotschafterin der Kärntner Volkshochschulen. Veronika sieht es als ihren Auftrag, anderen Betroffenen, die noch nicht richtig lesen und schreiben können, die Angst zu nehmen.

„Betroffene sollen den Mut fassen, einen Basisbildungskurs zu besuchen. Jeder Einstieg ist schwer, aber man bekommt so viel Positives zurück, es entsteht ein wahres Glücksgefühl. Vor Kursbeginn konnte ich nur meinen Vor- und Nachnamen schreiben. Mittlerweile schreibe ich schon Texte. Durch den Kursbesuch kann man Dinge machen, die man sich vorher nie vorstellen konnte. In der Gruppe unterstützen wir uns gegenseitig, es herrscht eine Vertrautheit und niemand lacht über den anderen, wenn man Fehler macht.“

Veronika Kleiner

Veronika Kleiner ist seit dem Jahr 2006 Lernerin in der Volkshochschule Grundbildung. Sie besuchte drei Jahre die erste Klasse Volksschule und wurde danach in die Sonderschule versetzt. Mit 15 Jahren kam Veronika zu “Jugend am Werk” um die berufliche Integration in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Nach Stationen im Gastgewerbe führte sie ihr Weg nach zu “Pro Mente”, wo Veronika Kleiner von 1999 bis 2008 als Betroffenenvertreterin des Tageszentrums und schließlich für ganz Kärnten engagierte. Ihre Aufgaben umfassten als Mitglied des Vorstandes von Pro Mente die Vorstellung des Vereins bei Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und die Weiterentwicklung der Betroffenenvertretung. Ihr ganzes Leben lang hatte sie Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Schriftsprachliche Aufgaben erledigte ihr Vater bis zu seinem Tod für sie. In ihrer Arbeit als Betroffenenvertreterin stiegen die Anforderungen an ihre Schriftsprache, was sie schließlich zur Beendigung ihrer Tätigkeit bewegte. Im Alltag verschleierte sie ihre Defizite und wandte unterschiedliche Strategien an.

Zu dieser Zeit sah Veronika Kleiner einen Werbespot für ein Basisbildungsangebot in Deutschland und wunderte sich, dass es so etwas in Österreich noch nicht gab. Eine Betreuerin von Pro Mente machte sich auf die Suche nach einem Basisbildungskurs in Kärnten und wurde in der Volkshochschule Kärnten fündig. Das Erstgespräch empfand Veronika als angenehm, da dieses in Begleitung ihrer Betreuerin stattfand . Zum ersten Kurstag musste sie dann allerdings alleine gehen. Sie erzählt heute, dass sie schweißgebadet hinkam. Die Trainerin nahm ihr von Anfang an die Angst. Trotzdem brauchte Veronika sehr lange, bis sie verstand, dass ihr im Kurs nichts passieren kann. Der Gedanke, dass jemand erfahren könnte, dass sie nicht lesen und schreiben kann, bereitetet ihr große Sorgen.

Mittlerweile hat sich diese Angst gelegt. Ihre Lebensqualität hat sich gesteigert und sie sieht wieder einen Sinn im Leben. Sie ist stolz darauf, Basisbildungsbotschafterin zu sein, gibt Interviews für Zeitungen, Radio und Fernsehen. “Das Reden, das liegt mir irgendwie, das habe ich immer können”, beschreibt sie ihr Engagement.

Für die Zukunft hat Veronika bereits viele Ideen. Eine davon ist es, eine ABC-Gruppe in Kärnten zu gründen, welcher die ABC-Selbsthilfegruppe in Oldenburg als Vorbild dient.

AutorInnen:  Gloria Sagmeister (Die Kärntner Volkshochschulen), Christian Wretschitsch (ÖGB Oberösterreich);

Alphabetterday 2.0 – “Für Basisbildung In.Bewegung”

IMG_3063

Zielgruppenerschließung in den Basisbildung bekam im Jahr 2013 ein neues Gesicht. Kärntner SchülerInnen machten mit dem Alphabetterday 2.0 auf die Bedürfnisse von Menschen mit Bildungsdefiziten aufmerksam.

Knapp 800 SchülerInnen aller Handelsakademien Kärntens und einzelner Neuer Mittelschulen wanderten am 01. und 02. Juli 2013 mit bunten Luftballons und Infomaterialien durch Spittal, Villach, Feldkirchen, Althofen, Klagenfurt, Völkermarkt und Wolfsberg. „Die Bevölkerung zum Thema Basisbildung informieren und sensibilisieren!“ lautete das Motto der SchülerInnen und der Kärntner Volkshochschulen.

Im Rahmen des Deutschunterrichts bearbeiteten PädagogInnen das Thema Basisbildung in Österreich mit ihren SchülerInnen. Zusätzlich dazu gab es im Rahmen von Workshops die Möglichkeit, mit ProjektkoordinatorInnen der Kärntner Volkshochschulen eingehend über das Thema zu diskutieren und Fragen zu stellen.

Geplant und umgesetzt wurde dieses Projekt von den SchülerInnen Felix Hafner, Tamina Scherde und Christina Novak und ihrer Professorin Christine Kohlweis-Peternel gemeinsam mit dem Teilprojekt 4 des Netzwerks Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich. Damit wurde der Öffentlichkeit veranschaulicht, dass lesen und schreiben zu können kein Privileg, sondern ein Menschenrecht ist. Betroffene und deren Angehörige erhielten Informationen zu Kursangeboten in Kärnten. “Handeln statt Zuschauen!”

Auf den Menschen zugehen

Zielgruppenerschließung in der Basisbildung

IMG_3974Positive Botschaften können Menschen animieren, etwas zu bewegen und zu verändern. Empowerment und Selbstbestimmung und die notwendige Unterstützung bilden den zentralen Kern der Botschaften, welche Bildungseinrichtungen zur Zielgruppenerreichung in der Basisbildung aussenden. “Hab Mut zum Lernen”, “Lernen Sie, was Sie brauchen”, “Du bist nicht alleine” oder ”Du kannst nix dafür!” sind exemplarische Botschaften, die an potenzielle TeilnehmerInnen ausgesandt werden.

Die Botschaften zielen auf Lernmotive der zukünftigen TeilnehmerInnen ab. Selbständigkeit, der Einstieg in den Arbeitsmarkt, die Erhaltung des Arbeitsplatzes oder ein beruflicher Aufstieg, die Unterstützung der Kinder in der Schule, die Erlangung des Führerscheins und das Ende des Versteckens und der Ausgrenzung sind Motive, die Betroffene dazu zu bewegen, zur Erstberatung zu kommen und später einen Basisbildungskurs zu besuchen.

Mundpropaganda, sowohl von TeilnehmerInnen als auch NetzwerkpartnerInnen, ist in der Zielgruppenerreichung enorm wichtig. LernerInnen selbst sind die besten BasisbildungsbotschafterInnen, da sie von ihren eigenen Erfahrungen berichten können. Damit NetzwerkpartnerInnen informieren und vermitteln können, sind sowohl persönliche Kontakte mit Einrichtungen und Behörden als auch die laufende gezielte Information dieser Stellen sehr wichtig.

Die kontinuierliche Positionierung des Basisbildungsangebots in Fernsehen und Radio und Einschaltungen in regionalen und lokalen Zeitungen tragen ebenso dazu bei, das Thema Basisbildungsbedarf in der Öffentlichkeit präsent zu halten. Diese Präsenz und ein beständiges Angebot in Erwachsenenbildungseinrichtungen führen zur Bekanntheit der Einrichtungen im Basisbildungsbereich. Politische Lobbyarbeit und eine dementsprechende Förderung von und für Menschen mit Basisbildungsbedarf sollen sicherstellen, dass Basisbildungsangebote ein fester Bestandteil in der Bildungslandschaft sind.

So vielfältig unsere Zielgruppen sind, so kreativ und innovativ müssen auch unsere Zugänge sein. Eine wesentliche Herausforderung in der Zielgruppenerschließung ist nach wie vor die direkte und trotzdem diskrete und sensible Ansprache von Personen mit Defiziten im Lesen, Schreiben, Rechnen und im Umgang mit neuen Medien.

In.Bewegung – Jahresbericht

Entwicklung, Qualität und Vernetzung sind die Kernthemen der Projektpartner von In.Bewegung. Lesen Sie selbst im Jahresbericht 2012 nach, was in den Bereichen Qualitätsentwicklung, Lernergebnisorientierung, Neue Lernorte, Social Media in der Basisbildung, innovative Maßnahmen für den Transfer, Öffentlichkeitsarbeit und Zielgruppenerschließung entwickelt und umgesetzt wurde.

JB 2012