Das Drehbuch für den Unterricht

Lernmaterial

Requisiten

Wer einen Unterricht plant, denkt sich so etwas wie ein Drehbuch aus: Worum geht es? Wer ist mit dabei? Welche Regieanweisungen sind nötig? Welche Requisiten brauchen wir?
Gibt es Dokumentationspflichten, ist das Ganze schriftlich zu machen. Dabei sind meistens bestimmte Konzepte zu berücksichtigen, – Selbststeuerung, Kompetenz-Orientierung, individuelle Lernziele o. ä. Ab einer gewissen Anzahl von solchen Vorgaben sind vorgefertigte Szenarien ein Vorteil. Darin könnten sich dann Anregungen finden, wie widersprüchliche Vorgaben umgangen oder aufgelöst werden: individuelle Lernziele im Gruppenunterricht etwa …
Viel interessanter aber sind die Ideen zu Vermittlung, Aktivierung und Betreuung der Lernenden während des ganzen Ablaufs: Welcher Zugang könnte für die Gruppe lohnend sein? Was bestärkt? Was motiviert? Können die Einzelnen ihre Lernziele erkennen? In welchen Sozialformen ist die Gruppe geübt? Und welche Aufgabentypen werden dann gut funktionieren? … ein gedankliches El Dorado für kreative Geister!
Bei allem Pragmatismus, den die Praxis verlangt, ist so eine Vorbereitung doch eine komplexe Sache. Ein guter Anlass, sich bewusst zu werden, wie viel Know How hinter einer alltäglichen Unterrichtsvorbereitung steht:

  • Wissen über die Zielgruppe
    Lernstand, Lernvoraussetzungen, Lerngewohnheiten, Herangehensweisen, Selbsteinschätzung, Unterstützungsbedarf, Leistungsfähigkeit, Frustrationstoleranz, Widerstandsfähigkeit, …
  • Fachwissen
    Abläufe analysieren, für die Vermittlung zerlegen und wieder zusammensetzen (vom Laut Isolieren bis zum phonetischen Recodieren), mathematisches Modellieren (Probleme aus der Lebenswirklichkeit in die Sprache der Mathematik übersetzen), Lernschritte vorschlagen, …
  • Methoden einsetzen
    Methoden mit Bezug zur Gruppe, zum Lernziel und zum Inhalt auswählen, möglicherweise die beste Methode kübeln, weil sie den Lernenden nicht entspricht (steigert in jedem Fall die eigene Frustrationstoleranz) …
  • Gesamtplan machen
    Vermittlung, Aktivierung und Betreuung gewichten, aufeinander abstimmen und ausgestalten, Notfallszenarios überlegen, Wiederholungs- und Übungsphasen einbauen, Ruhe-Inseln oder Nischen für Einzelne vorbereiten, Lernergebnisse sichern, Lernfortschritte erlebbar machen, …

Und dann die Umsetzung: oft wie die Lösung des Knopfs im Hirn, mal wie die perfekte Generalprobe, dann wieder eine unsanfte Landung am Boden der Realität … immer wieder spannend! Erstaunlich jedenfalls, dass all das sogar in einem Reader nachgelesen werden kann. Das Schöne daran: er ist spannend, die Praktikerin fühlt sich fast überall bestätigt und nickt beim Durchlesen wissend. Und das beste: das Ah-ja-Erlebnis – “gute Idee – schon lang nicht mehr gemacht!?!”
Gabi Reinmann ist die Autorin dieses Studientextes mit dem Titel “Didaktisches Design”. Er ist umsetzungsorientiert aufgebaut – vom Gestaltungsprozess bis zu didaktischen Erkenntnissen – und einfach geschrieben: eine echte Hilfe, um sich (wieder mal) einen Überblick über die Didaktik zu verschaffen.

Resumé: absolut nützliche Leistung der Wissenschaft für die Praxis – vielleicht ein heißer Tipp zum nachhaltigen Transfer von Studienergebnissen in die Alphabetisierungspraxis? … und vielleicht etwas von dem, was die heurige Tagung einfach:komplex nicht bot …

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