Utopie oder Apokalypse?

Was wird die Basisbildung 2020 sein? Wird es sie noch geben? 2020 ist schon in 7 Jahren. Wer von uns wird dann noch hier arbeiten? Wer wird in die Basisbildung kommen? Was wird die Basisbildung 2020 anbieten?
Die Frage nach dem Bild von Basisbildung im Jahr 2020 hat im Team der Basisbildung NÖ zahlreiche visionäre aber auch apokalyptische Ideen provoziert.

Basisbildung 2020

Basisbildung 2020

Die optimistischste Ansicht war, dass sich die Basisbildung in nur 7 Jahren so etabliert haben wird wie die Schule. D. h., es wird ganz selbstverständlich sein, sich notwendiges und nützliches Wissen auf Einstiegsniveau bei der Basisbildung zu holen. Die Basisbildung wird leicht zugängliche Bildungsangebote machen, die lebensnah sind und intensiv betreut werden. In diese Richtung geht auch der Gedanke, dass die Basisbildung in Zukunft eine nachgehende Bildungsarbeit verfolgen wird: Nicht die TeilnehmerInnen-Masse wird das Ziel sein, sondern die Arbeit in kleinen Gruppen mit unterschiedlichen inhaltlichen, methodischen oder Lernziel-Schwerpunkten.

Das Pflichtschulwesen wird sich in den nächsten 7 Jahren vermutlich nicht viel ändern. Vielleicht gelingt aber eine aktive Zusammenarbeit der pädagogischen Praxis von Pflichtschul- und Erwachsenenpädagogik: das Potenzial heterogener Gruppen methodisch nutzen, Lernenden-gerechte Kompetenzorientierung entwickeln und durchführen oder individuelle Wirkungsmächtigkeit systematisch pflegen und entwickeln.

Die eigene Wirkungsmächtigkeit – landläufig auch Selbstwirksamkeitsüberzeugung genannt – lässt sich meiner Meinung nach in und mit den neuen Medien gut nachvollziehen. Auf der einen Seite gibt es wirkungsvolle Methoden zum Nacherleben, wie Medien Einzelpersonen und Gruppen beeinflussen. Zum anderen bieten Medien über die neuen Technologien zahlreiche Möglichkeiten, als einzelne oder als Gruppe Kommunikation zu gestalten – Stichwort Social Media.
Interessant in diesem Zusammenhang ist der Gedanke, ob in der nahen Zukunft das Schreiben mit der Hand vom Schreiben in einem digitalen Medium verdrängt werden wird. Werden die Kinder auf Laptops oder Tablets schreiben lernen? Und wird die Basisbildung dann Motorikschulungen für Ein- und UmsteigerInnen anbieten? Vielleicht bekommt das Schreiben mit der Hand dadurch lerntherapeutische Bedeutung und wird verstärkt zur Meditation, Fokussierung und Rhythmisierung verwendet. Daraus könnte ein völlig neues Feld für LernberaterInnen entstehen. Möglicherweise werden mehr erwachsene Schreib-AnfängerInnen es vorteilhafter finden, auf PC oder Tablet schreiben zu lernen.

Basisbildung 2020

Basisbildung 2020

Der PC als Parkplatz für schwer integrierbare Lerngruppen-Mitglieder wird auf jeden Fall Thema bleiben bzw. noch mehr Thema werden. Und mit immer dichterer digitaler Ausstattung von Lernräumen und Lebenswelt wird meiner Meinung nach eine Klärung der Rolle des Computers im Lerngeschehen immer notwendiger: Lernplattformen als pdf-Verschiebebahnhöfe oder Orte der sozialen Interaktion, game-based-learning, digitale Demenz oder kollektive Intelligenz – das gilt es zu überlegen.

Eine Vision bleibt: Die Basisbildung wird in ihrer Arbeit erfolgreich sein, weil sie Menschen dazu bringt, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und sie in ein spannendes Verhältnis von Sein, Können und Wollen zu setzen. Die Diskussion von Allgemein- versus Berufsbildung wird in diesem Spannungsverhältnis aufgehen. Das Wollen hat schließlich Inhalte. Und ob die berufsrelevant sind, entscheidet sich am Übergang vom Wollen zum Können.
Summa summarum: Wissen geht. Bildung bleibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.