Einfach zum Nachfühlen

Fällt es Ihnen leicht einzugestehen, dass Sie etwas nicht können, was für alle anderen – zumindest in Ihren Augen – ganz selbstverständlich und normal ist? Steigt bei Ihnen auch die Angst sich zu blamieren, je überzeugter Sie davon sind, dass alle anderen das können würden?
Den – in unserem Kopf konstruierten -  Ansprüchen und Erwartungen der Mitmenschen nicht zu entsprechen, kann enormen Stress verursachen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als von seinem sozialen Umfeld missachtet oder gar ausgeschlossen zu werden. Dazugehören, geachtet werden, Anerkennung erfahren sind grundlegende, menschliche Bedürfnisse.
Ein Großteil der Menschen, die Basisbildung benötigen würden, sitzen in dieser Art „sozialer Falle“, die es ihnen sehr schwer macht, sich daraus zu befreien.
Spielen Sie den folgenden Interventionsarchetyp mit verschiedenen Annahmen durch, mit und ohne externe Interventionsschleife. Nehmen Sie sich etwas Zeit und reflektieren Sie Situationen, in denen Sie am liebsten im Erdboden versunken wären, feuchte Hände und eine zittrige Stimme bekamen, aber auch, wo Ihnen durch unerwartete Hilfe ein Stein vom Herzen fiel.

Beispiel:
Erwartung an mich: Ausfüllen eines Formulars > ich bin unsicher beim Schreiben > befürchtete soziale Konsequenz: für dumm gehalten werden > frühere Erfahrungen werden bestätigt > Vermeidungsstrategie anwenden (z.B. Brille vergessen – Formular mit nach Hause nehmen) > alles bleibt wie es ist! Selbstvertrauen sinkt weiter.Positive Intervention als Reaktion z.B. einer Beraterin, die wertschätzend Hilfe anbietet > die erwartete negative Reaktion wird nicht bestätigt, sondern eine positive Erfahrung wird gemacht > wird diese Erfahrung öfter bestätigt, kann sich die Strategie zu „aktiv um Unterstützung ersuchen“ ändern. Gleichzeitig erfolgt eine positive Entwicklung z.B. der Selbstwahrnehmung (Verstärkerschleife).PS: Bei vielen Trainings und Teamentwicklungen geht es letztlich immer wieder um diesen Interventionsprozess. Viele Arbeitsmethoden leiden an mangelnder Beteiligung, weil Gruppenmitglieder befürchten, dass sie die Erwartungen (z.B. Wir sind lauter kluge Köpfe – wir beherrschen die Rechtschreibung!) nicht erfüllen.

Mein Wunsch – intervenieren Sie – wertschätzend und rücksichtsvoll!

Christian Wretschitsch, ÖGB-Oberösterreich

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